Von der Arbeiterin, die sie verpackt, bis zum Ingenieur, der die Produktionslinie überwacht, vom Grossvater, der sie seinem Enkel anbietet, bis zur Frau, die sie zu Hause serviert – als wiederkehrende Geste einer Arbeitserinnerung: Der Keks in Aguilar gehört allen.
Kategorie: Geschichte und Politik
ISBN: 9791387713133
Hinzugefügt zum Katalog am: 30.04.2026
Format: BROSCHIERT
Seitenzahl: 204
Von der Arbeiterin, die sie verpackt, bis zum Ingenieur, der die Produktionslinie überwacht, vom Grossvater, der sie seinem Enkel anbietet, bis zur Frau, die sie zu Hause serviert - als wiederkehrende Geste einer Arbeitserinnerung: Der Keks in Aguilar gehört allen. Hier gibt es kein Entwöhnen vom Süssen: weder von der Mutter noch vom Dorf. Draussen bedeutet Erwachsenwerden, auf den Keks zu verzichten, ihn durch bitteren Kaffee, Selbstständigkeit und das Harte zu ersetzen. Hier nicht. Hier bleibt er in Milch getränkt. Man isst ihn in der Kindheit, aber auch in den Pausen, im Ruhestand und in der Trauer. Vor allem in der Trauer? Er schleicht sich in die Taschen und Rucksäcke; er überlebt in den Blechdosen und auf den Uniformen der neuen Fabriken.
Der Maria-Keks von Fontaneda war im 20. Jahrhundert eine feste Grösse in den Vorratskammern, im Fernsehen und im Radio spanischer Haushalte. Rund, mit einer Bordüre am Rand, sein Name in Grossbuchstaben in der Mitte. Ein Talisman, der die sanfte Erinnerung an die Pause und die warme Milch zum Nachmittagssnack heraufbeschwört. An das Süße, an das Kindliche, an die Ruhe. Noch heute nimmt sie einen wichtigen Platz im kollektiven Bewusstsein ein. Doch hinter ihrer vertrauten Form verbarg sich auch eine Kette stiller, von Frauen dominierter Arbeit; die Choreografie präziser Gesten der Keksfabrikarbeiterinnen, die die frisch aus dem Ofen kommenden Süßigkeiten prüften, ausrichteten und verpackten.
Zwanzig Jahre nach der Schliessung der historischen Fabrik Fontaneda kehrt Laura Sanz Corada, Tochter einer dieser Keksfabrikarbeiterinnen, nach Aguilar de Campoo zurück, um in das Industrie- und Familienarchiv einzutauchen. Von dort aus rekonstruiert sie die Erinnerung an die Region und zeichnet das kollektive Porträt einer Generation von Frauen, die praktisch noch als Mädchen zu arbeiten begannen, die an den Verpackungsbändern aufwuchsen und den Verkauf der Fabrik an einen multinationalen Konzern sowie das, was danach kam - Entlassungen, Streik, Besetzungen und schließlich die Trümmer - wie einen Trauerfall erlebten.
Mit überschwänglicher Lyrik bewegt sich Sanz Corada zwischen vagen und ungewissen Erzählungen und Zeugnissen, die von Vergessenem und Schweigen geprägt sind, um eine unerreichbare Frage zu beantworten: Was bleibt von der Erinnerung an einen Ort, wenn dieser verschwindet?
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"Ausgehend von einem Madelein rettete Proust eine verlorene Welt. Es ist bewundernswert, was Laura Sanz Corada aus einem Keks gemacht hat, indem sie meisterhaft die besten Zutaten der Erinnerung einsetzt: jene, die vor süsslicher Nostalgie flieht und sich den arbeitenden Frauen, einem verwundeten Dorf, der persönlichen Entwurzelung und einer ganzen Welt verschreibt, die in der Tasse des globalen Kapitalismus zerfällt. Dieses Buch hat alles, um es weit zu bringen." _ Paco Cerdà
"Galleteras zu lesen, ist eine Übung in Verantwortung: Es liegt an uns, vielleicht gerade an uns Frauen, neu zu schreiben, anzuerkennen, dass grosse Veränderungen und grosse Geschichten nicht immer außergewöhnliche und einzigartige Formen annehmen, und dass in einer Keksfabrik auch um eine andere Erzählung, eine andere Idee, ein anderes Territorium, ein anderes Zuhause, eine andere Zukunft gekämpft wurde." _ María Sánchez
"Laura Sanz Corada schenkt der Anthropologie ihren poetischen Blick und öffnet die Schubladen der Erinnerung. Dieses Buch hat Geruch, Geschmack und Textur. Wie diese Keksdosen, die, auch wenn sie sich noch so sehr bemühen, Fäden und Nadeln aufzubewahren, ihren ursprünglichen Geruch nicht ganz loswerden können." _ Virginia Mendoza